Fröhliche Ost-ern!

Wir haben Sie ja letztes Jahr schon gewarnt – für uns Ost-West-Familien gibt es die meisten Feste doppelt. So durften wir letztes Wochenende schon einmal Ostern feiern (man könnte, Wolfgang Neuss zitierend, auch “Western” sagen) und nun, dieses Jahr nur eine Woche später, erneut. Unsere tapferen Nachbarn hatten trotz Schnee schon einen Baum im Garten mit Ostereiern behängt, und meine Familie beging den Karfreitag (West) ganz in der protestantischen Tradition mit der Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach, feierte dann aber am Westersonntag in der ukrainischen Kirche den Palmsonntag (Ost).

Ukrainische Paska (Wikipedia)

In den Tagen vor Ostern wurden schon Ostereier bemalt und Paska gebacken. Vor dem Gang in die Kirche werden diese, aber auch andere Lebensmittel in einen Korb gelegt, mit einem bestickten Tuch bedeckt und mitgenommen, um nach der Osterliturgie gesegnet zu werden. Danach sitzt man zusammen, isst und trinkt und feiert den ganzen Tag mit der Familie und Freunden.

In der Ukraine ist Ostern vor allem ein spirituelles Fest, das Ende der Fastenzeit und die überschwängliche Freude darüber, dass durch den Tod der Tod besiegt wurde. Das kommt ganz besonders an diesem Tage in der Kirche immer wieder zur Sprache, in Lesungen, der Predigt und auch Gesängen. In den Ostersprüchen,  die den Abschluss des Abendgottesdienst bilden, nach dem unmittelbar die Liturgie beginnt, wird die ganze Osterbotschaft verkündet1:

“Gott steht auf, da zerstieben seine Feinde.”
Das weihevolle Passah ist uns heute erschienen,
das neue und heilige Passah, das geheimnisvolle,
das hochhehre, das Passah Christus, der Erlöser,
das unbefleckte Passah, das große Passah,
das Passah der Gläubigen,
das uns öffnet die Pforten zum Paradies,
das Passah, welches heiligt alle Gläubigen.

“Wie Rauch verweht, werden seine Feinde zerstört.”
Kommet zum Schauen mit der frohen Botschaft,
Ihr Frauen, und saget zu Zion:
Empfange von uns die Kunde der Freude, der Auferstehung Christi.
Tanze und juble und sei fröhlich, Jerusalem,
weil Du den König Christus sahst,
hervorgehen aus dem Grabe wie einen Bräutigam.

“Die Frevler vergehen vor dem Angesichte Gottes,
doch die Gerechten können fröhlich sein.”
Als die balsamtragenden Frauen früh am Morgen
an das Grab des Lebensspenders traten,
fanden sie einen Engel auf dem Steine sitzen,
der ihnen zurief und also sprach:
Was sucht Ihr den Lebendigen unter den Toten?
Was beweinet Ihr den Unverweslichen an der Stätte der Verwesung?
Gehet hin und bringet Kunde seinen Jüngern.

“Dies ist der Tag, den der Herr gemacht,
lasset uns frohlocken und fröhlich sein.”
Das schöne Passah, das das Passah des Herrn,
das hochhehre Passah ist uns erstrahlt.
Passah! Umarmen wir einander in Freude,
oh Passah, Du Erlösung von der Trauer.
Denn aus dem Grabe wie aus einem Brautgemach
strahlt Christus heut hervor
und erfüllte die Frauen mit Freude indem er sprach:
bringet Kunde den Aposteln.

“Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste
jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen.”
Auferstehungstag! Lasst uns Licht werden durch dieses Fest
und einander umarmen und “Brüder” sagen auch zu denen, die uns hassen
und allen vergeben um der Auferstehung willen.
und also rufen: Christ ist erstanden von den Toten,
durch seinen Tod hat er den Tod besiegt
und denen in den Gräbern das Leben geschenkt.

Wir wünschen Ihnen und allen Freunden der Ukraine eine gesegnetes und frohes Osterfest – Христос воскрес! Воістину воскрес!


1 Deutsche Fassung der Ostersprüche: Chor der russ.-orth. Kirche des Heiligen Prokop, Hamburg

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Rückblick: Gesprächsabend mit Serhij Zhadan

Photo: Larissa Mende

Am 23. März fand in den Räumlichkeiten des Generalkonsulats der Ukraine in Hamburg der Gesprächsabend mit Serhij Zhadan statt, der den Abschluss unserer im Rahmen des ukrainischen Sprachenjahrs veranstalteten ukrainischen Literaturwoche in Hamburg bildete. Wir freuten uns über einen vollen Saal, den auch eine gute Anzahl deutscher Gäste füllte und natürlich ganz besonders über unseren prominenten Gast.

Zunächst lasen der Autor und Martin Dietze jeweils in ukrainischer und deutscher Sprache zwei Textausschnitte aus Serhij Zhadans erst kürzlich in deutscher Sprache erschienenen neuen Roman “Internat” vor. Im anschließenden Gesprächsteil ging es um die Heimat unseres Gasts, den Donbass, über seine vielen Facetten, Kultur und dann natürlich auch um die Auswirkungen des von Russland dort entfesselten Kriegs. Ein besonderer Fokus galt den Hilfsprojekten, die der Wohltätigkeitsfonds des Autors mit Hilfe der Volontäre – davon viele selber Kulturschaffende – dort organisiert.

Photo: Philipp Führer

Es folgten ausführliche Antworten auf Fragen aus dem Auditorium, die sich u.a. auch mit der Verfilmung seines Romans “Die Erfindung des Jazz im Donbass” (orig: “Ворошиловград”) befassten und die Lesung zweier Gedichte. Am Ende bestand noch die Möglichkeit, Bücher von Serhij Zhadan in deutscher Fassung zu erwerben und vom Autoren signieren zu lassen.

Wir alle, Gäste wie Veranstalter gingen mit dem Gefühl nach hause, einen wundervollen Abend verbracht zu haben. Wir bedanken uns herzlich bei allen, die diesen Abend möglich gemacht haben: das Generalkonsulat der Ukraine für den Saal und die tatkräftige Hilfe, Oleksij Volynchyk für das wieder einmal großartige Dolmetschen, allen Aktivisten und Helfern, dann natürlich Serhij Zhadan fürs Kommen und nicht zuletzt allen Gästen, deren großzügige Spenden seinem Wohltätigkeitsfonds zugute kommen werden.

 

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Rückblick: Dichterlesung mit Oleksandr Irwanez

Photos:Sergio Kalnini

Am 17. März hatten wir Oleksandr Irwanez zu Gast in Hamburg. Thema des Abends war die Vorstellung der deutschen Fassung seines Romans “Riwne/Rowno” (in deutsch: “Pralinen vom roten Stern”, Übersetzer: Alexander Kratochvil). Wir hörten dabei einige Ausschnitte aus dem Roman sowohl im Original als auch deutscher Fassung, und erfuhren außerdem einiges über seine Entstehungsgeschichte.

Es war ein großartiger Abend in netter Runde, und wir danken unserem Gast fürs Kommen, Oleksij Volynchyk fürs Dolmetschen und natürlich dem Generalkonsulat der Ukraine in Hamburg für die Räumlichkeiten!

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23. März: Gesprächsabend mit Serhij Zhadan

Am 23. März laden wir ein zu einem Gesprächsabend mit dem Autoren, Dichter und Musiker Serhij Zhadan. Unser Gast ist in seiner Heimat einer der Top-Autoren und mit 11 in deutscher Sprache veröffentlichten Werken der breitenwirksamste ukrainische Schriftsteller im deutschsprachigen Raum. Für seine Arbeit hat Zhadan zahlreiche Preise erhalten, etwa den Hubert-Burda-Preis für junge Lyrik 2006, den Brücke-Berlin-Preis 2014 für „Die Erfindung des Jazz im Donbass“, welches darüberhinaus von der BBC zum „Buch des Jahrzehnts“ gekürt wurde, sowie den Breslauer Angelus-Preis für mitteleuropäische Autoren 2015. Für die deutsche Fassung seines Buchs “Internat” sind Sabine Stöhr und Juri Durkot dieses Jahr zum Preis für die beste Übersetzung auf der Leipziger Buchmesse nominiert.
 
Uns wird Serhij Zhadan von den Menschen im Osten der Ukraine erzählen und seiner Arbeit für den von ihm gegründeten Wohltätigkeitsfonds, der Hilfe in den vom Krieg betroffenen Gebieten auf eine ganz besondere Art organisiert. Der Motor dieser Hilfe ist Kultur – etwa Zugang zu Bildung insbesondere auch für arme Kinder, Literatur und Musik. Dabei werden wir nicht nur interessantes über unseren Gast erfahren, sondern auch über seine ostukrainische Heimat und ihre Menschen.
 
Die Veranstaltung findet in deutsch und ukrainisch statt und ist Teil der Ukrainischen Literaturwoche, die wir anlässlich des ukrainischen Sprachenjahrs 2017/2018 veranstalten. Die Ukrainische Literaturwoche findet mit der freundlichen Unterstützung des Generalkonsulates der Ukraine in Hamburg statt.
 
Beginn: 18:00 Uhr
Ort: Generalkonsulat der Ukraine, Mundsburger Damm 1, 22087 Hamburg.
 
Wir erbitten eine Spende von mindestens 10 Euro, um Serhij Zhadans Wohltätigkeitsfonds bei der Umsetzung von Projektens zu helfen.
 
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17. März: Dichterlesung mit Oleksandr Irwanez

Am 17. März ist Oleksandr Irwanez unser Gast, um sein letztes Jahr in deutscher Fassung erschienenes Buch “Pralinen vom Roten Stern” (original: “Riwne/Rowno”) vorzustellen.

Der Roman ist eine satirische Antiutopie mit ernstem Hintergrund – die westukrainische Stadt Riwne findet sich nach einem Putsch in der “Sozialistischen Ukrainischen Volksrepublik” wieder und verdankt es einem Zufall, dass eine Hälfte – ganz gleich Westberlin – zu einer Art Insel in fremdem Staatsgebiet geworden und durch eine Mauer vom anderen Teil getrennt ist. Von hier bricht der Held unserer Geschichte einer Einladung folgend in den Ostteil auf, ohne zu ahnen, welch kafkaeskes Abenteuer ihm bevor steht.

In seinem Vorwort zur deutschen Ausgabe schrieb Jurij Andruchovytsch:

Fans von James Joyce haben ihren Bloomsday, und zwar am 16. Juni. Fans von Oleksandr Irwanez könnten – im Falle eines Falles – ihren Schlojma-Tag immer am 17. September haben. So wie der Bloomsday jedes Jahr in Dublin stürmisch gefeiert wird, so könnte der Schlojma-Tag zweifellos in Riwne zelebriert werden. Nun hat die Stadt Riwne für die Ukraine bei weitem nicht die Bedeutung von Dublin für Irland, doch der Schriftsteller Oleksandr Irwanez verlieh der Stadt mit seinem Roman eine beachtliche, zumindest literarische Bedeutung.

Die Gemeinsamkeit beider Romane ist offensichtlich, denn es geht sowohl im Roman von Joyce als auch in dem von Irwanez um einen Tag mit einem konkreten Datum.
Der Unterschied liegt freilich darin, dass Joyce das Jahr genau bestimmte: 1904. Irwanez gibt keine genaue Jahreszahl. Die Handlung des Romans spielt nicht wie bei Joyce in der Vergangenheit, sondern „quasi“ in naher Zukunft.


Die Lesung findet in ukrainisch und deutsch statt. Der Autor liest aus dem ukrainischen Original, und der Übersetzer des Romans, Dr. Alexander Kratochvil, liest aus der deutschen Fassung vor. Anschließend wird die Gelegenheit bestehen, Fragen an den Autoren zu richten.
Dieser Abend ist Teil der Ukrainischen Literaturwoche, die wir im März anlässlich des ukrainischen Sprachenjahrs 2017/2018 veranstalten.

Die Veranstaltung findet im Generalkonsulat der Ukraine, Mundsburger Damm 1 in Hamburg statt und beginnt um 17:00 Uhr. Der Eintritt ist frei.
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Rückblick: Gesprächsabend mit Anna Veronika Wendland

Am 30. November hatten wir im Generalkonsulat der Ukraine in Hamburg die Osteuropahistorikerin Dr. Anna Veronika Wendland, eine der bedeutendsten Expertinnen für die Geschichte der Ukraine im deutschsprachigen Raum, zu Gast. Thema des Abends war: “Ukraine und Ukrainer auf der Suche nach sich selbst. Die Evolution der ukrainischen Identität”. Der Saal des Generalkonsulats war gut gefüllt, und wir haben uns sehr gefreut, dass auch viele deutsche Ukraineinteressierte den Weg zu der Veranstaltung gefunden haben.

Wie schon angesichts des Themas und natürlich des Gasts zu erwarten war, wurde es ein hochinteressanter Abend, bei dem unsere Gäste und auch wir selber eine Menge Interessantes lernen konnten. Wir gingen zunächst drei Fragen nach, die verschiedene Phasen der ukrainischen Geschichte kennzeichnen: zunächst Rus’ und Het’manat als Wurzel einer ukrainischen Identität, dann die Zeit im Russländischen bzw. Polnischen (später Habsburgischen) Reich und schließlich die Rolle der Sowjetukraine für die ukrainische Nation heute. Anschließend gab es viele interessante Fragen aus dem Auditorium und ebenso interessante Antworten darauf.

Hier ist ein kompletter Mitschnitt des Abends für alle, die nicht persönlich dabei sein konnten oder es sich einfach in Ruhe noch einmal anhören wollen!

Bei dieser Gelegenheit möchten wir uns noch einmal besonders bedanken bei Anna Veronika Wendland für diesen interessanten Abend, dem Generalkonsulat der Ukraine für die schon lange sehr fruchtbare Zusammenarbeit und Maxim Sergienko für die extra im Großformat ausgedruckten Photos aus der Ukraine und natürlich das Video!

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30. November: Ukraine und Ukrainer auf der Suche nach sich selbst. Die Evolution der ukrainischen Identität. 

Gesprächsabend mit Dr. Anna Veronika Wendland

Am vierten Jahrestag der gewaltsamen Auflösung des Zeltlagers von Studenten auf dem Maidan in Kyiv, auf die dann Massenproteste und schließlich die Todesschüsse mit über hundert Opfern folgten, laden wir zu einem Gesprächsabend ein. Unser Gast ist eine von Deutschlands führenden Osteuropahistorikerinnen zum Thema Ukraine. Gemeinsam mit ihr wollen wir der Frage auf den Grund gehen, wie eine ukrainische Identität entstand, wie sie sich über die Jahrhunderte entwickelt hat und welche Rolle sie in der Gegenwart spielt. Das Bild des jungen Künstlers Mykhailo Diachenko “Ukraine” von 2014 oben links zeigt einige Personen aus der ukrainischen Geschichte, Lesja Ukrajinka, Taras Schewtschenko, Serhij Nihojan, Iwan Franko und Wassyl Stus, die ukrainische Identität auf ganz besondere Weise geprägt haben und außerdem die verschiedenen Regionen der Ukraine von Westen bis Osten repräsentieren.

Dr. Anna Veronika Wendland hat in Köln und Kiew studiert. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Ukrainestudien und Technikgeschichte, außerdem ist sie Forschungskoordinatorin in der Direktion des Herder-Instituts für historische Ostmitteleuropaforschung, einem Leibniz-Institut in Marburg und Mitglied der 2014 gegründeten Deutsch-Ukrainischen Historikerkommission. Für ihre Habilitationsschrift hat sie einige Jahre lang Feldforschung in einem ukrainischen und zwei deutschen Kernkraftwerken gemacht. Frau Dr. Wendland ist darüber hinaus durch ihre Blogartikel auf Ukraine-Nachrichten und Facebook sowie zahlreiche Fachpublikationen bekannt.

Die Veranstaltung findet in den Räumlichkeiten des Generalkonsulates der Ukraine in Hamburg, Mundsburger Damm 1, 22087 Hamburg, statt und beginnt um 18:00 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Diese Veranstaltung wurde durch die Unterstüzung des Generalskonsulats der Ukraine in Hamburg ermöglicht.

 

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Mykhailo Kuziv – ein neuer Blick auf die Ukraine

Manche haben es vielleicht schon bemerk: den oberen Rand unserer Seite ziert etwas Neues. Es handelt sich hier um einen Ausschnitt aus einem Gemälde von Mykhailo Kuziv – Künstler und Dozent an der Ternopiler Pädagogischen Universität. Mykhailo hat einen sehr individuellen Blick auf typisch ukrainische Motive entwickelt und passt daher ideal zu unserem Thema: Kultur und Ukraine.

Seine kürzlich im Kulturhaus “Peremoha” in Ternopil eröffnete Ausstellung trägt den Titel “Шепіт землі” – wörtlich übersetzt: “Flüstern der Erde”. Hierbei ist aber zu beachten, dass das ukrainische Wort für “Erde” noch eine weitere Bedeutung trägt: es ist ebenfalls ein Synoym für die Heimat. Entsprechend finden wir in seinen Werken galizische Landschaften – Dörfer, Städte und Kirchen. Weitere Inspiration bezieht Mykhailo aus ukrainischer Geschichte und Mythologie. Diese Elemente verschmelzen zu einer sehr individuellen und originellen Kombination aus Figürlichem und Abstraktem.

Mykhailo Kuzivs Arbeiten findet man in verschiedenen Museen und privaten Sammlungen in der Ukraine, aber auch in in anderen Ländern, wie etwa Frankreich, Polen, Kanada, USA und Deutschland.

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Heute vor 31 Jahren: Tschornobyl

Heute vor 31 Jahren kam es zur Reaktorkatastrophe von Tschornobyl in der Nähe von Kyiv in der heutigen Ukraine. Auch wenn dies keine “runde” Jahreszahl ist, scheint es uns wichtig, für einen kurzen Moment innezuhalten und dieses Ereignisses zu gedenken, welches neben dem Holodomor in den frühen 1930er Jahren zu den zwei Katastrophen zählte, bei denen – wie Oksana Zabuzhko (Оксана Забужко) es ausdrückte – “die kosmische Ordnung der Dinge zerstört wurde”.
 
Hier ist ein Ausschnitt aus dem Essay “Planet Wermut”, dem dieses Zitat entnommen ist. In diesem Essay geht es darum, die Reaktorkatastrophe wie auch den Holodomor sowohl in ihrer Bedeutung einzuordnen als auch nicht zuletzt zu verarbeiten. Was viele hier nicht wissen, ist, dass das ukrainische Wort чорнобиль“ (Tschornobyl´) die in der Volkssprache verwendete Bezeichnung für “Wermut” ist. Angesichts der Ausmaße jener Katastrophe drängt sich geradezu die Passage aus der Offenbarung des Johannes auf, in dem gerade jener “Planet Wermut” erwähnt wird:
 
„Und der dritte Engel posaunte: und es fiel ein großer Stern vom Himmel, der brannte wie eine Fackel und fiel auf den dritten Teil der Wasserströme und über die Wasserbrunnen. Und der Name des Sterns heißt Wermut. Und der dritte Teil der Wasser ward Wermut; und viele Menschen starben von den Wassern, weil sie waren so bitter geworden“ (Offenbarung 8:10, 11).
 
Der hier gelesene Text ist nur ein kleiner Ausschnitt eines wirklich großartigen Textes, dessen Lektüre wir ausdrücklich empfehlen.
 

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Ostern gemeinsam: Христос ворскрес! und Frohe Ostern!

Dieses Jahr dürfen wir uns am selben Tag mit “Христос ворскрес!” und “Frohe Ostern!” grüßen.

Ukrainische Ostereier werden mit einer Art Batik-Technik durch Malen mit heißem Bienenwach und Eintauchen in Farbbäder gefertigt. Photo: Serhij Jakimenko

Wir binationalen Familien genießen ja den Luxus, viele Feste zweimal feiern zu dürfen – so gibt es jedes Jahr ein West- und ein Ost-Weihnachten (25.12. und 07.01.), und das gilt normalerweise auch für Ostern. Da aber Ostern ein bewegliches Fest ist, kommt es alle paar Jahre vor, dass Ostern und Western auf den selben Tag fallen, und so ist das auch dieses Jahr!

In unseren Wohnungen haben sich all die Speisen, auf die viele von uns in der Fastenzeit verzichtet haben – Fleisch, Wurst, Eier – angesammelt, das traditionelle ukrainische Osterbrot „Paska“ (ein mit viel Butter zubereitetes Hefebrot) wird in unzähligen runden Formen gebacken und das traditionelle Mus aus Meerrettich und roter Bete (schmeckt sehr lecker auf Mettwurst- oder Salami-Scheiben) zubereitet, so dass man in der Küche kaum noch Platz findet. All diese Speisen werden in die Kirche mitgebracht, wo sie nach der Osterliturgie vom Priester mit Weihwasser gesegnet werden.

Die 6 Wochen Fastenzeit vor Ostern waren eine Zeit der inneren Einkehr, am Gründonnerstag wird in der Kirche durch die 12 Evangelienlesungen an die Überlieferung und das Sterben Christi erinnert, und am Karfreitag steht symbolisch für den am Kreuz gestorbenen ein Sarg in der Mitte der Kirche. Die Osternacht beginnt ernst, und nach der Prozession um die Kirche ruft der Priester dem Volk zu: “Христос воскрес!” (Christus ist auferstanden!), und das Volk antwortet: “Воістину воскрес!” (wahrhaftig auferstanden!) – einmal, zweimal, immer wieder, und von diesem Moment an wird gefeiert.

Ostern ist für die Ostkirche das wichtigste Fest im Jahr, und der Glaube und die Freude darüber, dass Christus durch seine Auferstehung die ganze Welt gerettet hat, bezieht auch alle Welt ein. Johannes Chrysostomos, der die ostkirchliche Liturgie schuf, so wie sie noch heute gefeiert wird, fasste das in seiner Osterpredigt zusammen, die in vielen orthodoxen und griechisch-katholischen Kirchen jedes Jahr wieder zu Ostern gelesen wird, und mit diesen Worten möchten wir auch Euch und Ihnen ein frohes und gesegnetes Osterfest wünschen!

Osterpredigt des Johannes Chrysostomos

Wer fromm und gottesfürchtig ist, labe sich an diesem schönen strahlenden Fest.
Wer ein getreuer Knecht ist, gehe fröhlich ein zu seines Herrn Freuden.
Wer sich im Fasten verzehrt hat, empfange jetzt seinen Dinar.
Wer von der ersten Stunde an gearbeitet hat, empfange heute seinen gerechten Lohn.
Wer um die dritte Stunde gekommen ist, feiere mit Danken.
Wer um die sechste Stunde gekommen ist, zweifle nicht. Er wird nichts einbüßen.
Wer nach der neunten Stunde gekommen ist, trete herzu ohne Zaudern und Furcht.
Wer um die elfte Stunde gekommen ist, fürchte sich nicht ob seines späten Kommens.
Denn der Herr ist großzügig, er empfängt den Letzten wie den Ersten.

Er lässt den Arbeiter der elften Stunde zur Ruhe eingehen wie den der ersten Stunde.
Er erbarmt sich des Letzten und sorgt für den Ersten. Jenem gibt er, und diesem schenkt er
Die Werke nimmt er an und begrüßt den Entschluss. Die Tat ehrt er, und die Absicht lobt er.
So geht ein, alle, zu eures Herrn Freuden!

Empfangt euren Lohn, die Ersten wie die Letzten! Reiche und Arme, jubelt miteinander!
Ausdauernde und Achtlose, ehrt diesen Tag!
Wer die Fasten gehalten, und wer sie vermieden, freue sich heute!
Der Tisch ist gedeckt, tretet alle herzu und tut euch gütlich
Das gemästete Kalb ist bereit, niemand gehe hungrig von dannen.
Jeder erquicke sich am Gastmahl des Glaubens.
Jeder genieße den Reichtum seiner Güte.

Niemand beklage seine Armut, denn das Reich ist allen erschienen.
Niemand beweine seine Schuld, denn Vergebung leuchtet vom Grabe.
Niemand fürchte den Tod, denn des Erlösers Tod hat uns befreit.
Er hat den Tod vernichtet, von dem er umfangen war.
Er hat die Hölle gefangen geführt, in die er hinabfuhr
Er erzürnte sie, der er sein Fleisch zu kosten gab.

Jesaja weissagt und spricht:
Die Hölle ward betrübt, als sie dich gewahrte.
Sie ward betrübt, denn sie ward zu Spott.
Sie ward betrübt, denn sie ward vernichtet.
Sie ward betrübt, denn sie ward gestürzt
Sie ward betrübt, denn sie ward gefesselt.

Die Hölle nahm einen Leib und begegnete Gott.
Sie nahm Erde und traf auf den Himmel.
Sie nahm das Sichtbare und fiel durch das Unsichtbare.

O Tod, wo ist dein Stachel? O Hölle, wo ist dein Sieg?
Christ ist erstanden, und du bist gestürzt
Christ ist erstanden, und die Dämonen sind gefallen.
Christ ist erstanden, und die Engel frohlocken.
Christ ist erstanden, und das Leben ist Sieger.
Christ ist erstanden, und leer sind die Gräber.

Denn Christus ist geworden der Erstling unter denen, die da schlafen,
da er ist auferstanden von den Toten.
Ihm sei Lob und Preis von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

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