Rückblick: 3. Internationaler Kultur-Kongress der Östlichen Partnerschaft in Lviv, 4.-6. September 2015

Der 3. Internationale Kulturkongress der Östlichen Partnerschaft fand am 4.-6. September in den Räumen der Ivan Franko Universität in Lviv statt. Schirmherren des Kongresses waren Ministerien (z.B. für Kultur oder Außenpolitik) verschiedener osteuropäischer Länder: Polen, Georgien, Moldawien und Ukraine. Wir hatten die Möglichkeit, zu zweit an diesem Kongress teilzunehmen und wollen hier kurz von unseren Eindrücken berichten.

Eröffnung des Kongresses
Eröffnung des Kongresses

Thema des Kongresses war: Die Mission von Kultur in Krisenzeiten. Das wurde in mehrere Unterthemen unterteilt:

  • Die Krise der europäischen Werte
  • Angst in Kultur und die Kultur der Angst
  • Kunst als Triebfeder von Änderungen
  • Kulturpolitik und Kulturökonomie
  • Kultur und ihre Kommunikationsmittel

Zu jedem Unterthema fanden dann jeweils mehrere Vorträge, Diskussionen und Workshops statt.

Abends gab es an verschiedenen Orten in Lviv ein Programm aus Performance, Theater und Musik – etwa wurde auch direkt vor der Universität, neben dem Ivan Franko Denkmal eine Freilichtbühne aufgestellt.

Eröffnungsdiskussion
Eröffnungsdiskussion

Die Eröffnung wurde moderiert von dem Übersetzer und Schriftsteller Jurko Prokhasko. Die eigentlich für die Eröffnung geplante Ansprache vom ehemaligen georgischen Präsidenten Mikheil Saakashvili musste wegen eines Terminkonflikts auf den Abschlusstag verschoben werden.

Die erste Diskussion war alle Unterthemen übergreifend. Mikhail Gnedovskyj aus Russland und Pascal Brunet aus Frankreich diskutierten unter Leitung von Oksana Forostyna vom Journal „Krytyka“ über die Mission von Kultur in Krisenzeiten.

Anschließend fanden für jedes der fünf Unterthemen jeweils parallel Veranstaltungen statt.

Ehemalige Dissidenten zur Furcht
Ehemalige Dissidenten zur Furcht

Die Diskussionsveranstaltungen waren alle hochinteressant. Allerdings gab es einige, die uns besonders beeindruckten. Hier sei ganz besonders die der ehemaligen Dissidenten aus 4 früheren Ostblockstaaten genannt, ganz besondere Menschen, die davon berichteten, wie sie in ihren jeweiligen Situationen mit der Furcht umgingen.

Sprecher waren Gábor Demszky, damals führender Oppositioneller in Ungarn, Myroslav Marynovych, Menschenrechtler aus der Ukraine und Mitbegründer der ukrainischen Helsinki-Gruppe, Jiří Dědeček, Musiker und Künstler im damaligen tschechischen kulturellen Untergrund sowie Karol Modzelewsky, polnischer Intellektueller, dem die unabhängige polnische Gewerkschaft „Solidarität“ ihren Namen verdankte.

Europäische Werte in ukrainischen und postsowjetischen Kontexten
Europäische Werte in ukrainischen und postsowjetischen Kontexten

Ein weiterer Höhepunkt war die Veranstaltung „‚Europäische Werte‘ in ukrainischen und postsowjetischen Kontexten“. Sprecher waren Alexei Bratochkin, Historiker aus Belorus, Yaroslav Hrytsak, Historiker aus der Ukraine, Refat Tschubarow, Historiker und krimtartarischer Politiker aus der Ukraine sowie Yevhen Holovakha, Soziologe aus der Ukraine.

Das Thema war natürlich aufgrund des Krieges in der Ukraine, der Annexion der Krym und der Frage, wie Europa sich zu all diesen Dingen verhalten sollte, hochaktuell.

Mikheil Saakaschvili
Mikheil Saakaschvili

Als letzte Veranstaltung am Samstagabend sprach dann Mikheil Saakashvili – in bestem Ukrainisch, wie wir mit Freude feststellten. Er erzählte u.a. von seinem Studium in der Ukraine (in Tiflis hätte man damals nur mit Verbindungen einen Studienplatz bekommen, die er freilich nicht hatte), von den Problemen, in den Köpfen einen Übergang vom Homo Sowjeticus zum modernen, europäisch geprägten Menschen zu erreichen. 

Anschließend ging er ausführlich auf Fragen aus dem Auditorium ein.

Besondere Erwähnung verdienen noch die Konzerte am Abend. Leider war das Wetter für Open Air schon etwas kalt. Mit „vielschichtiger“ Sommerkleidung ausgestattet machten aber wir wie auch einige andere uns abends auf den Weg zur Freilichtbühne vor der Universität. Dort gab es am ersten Abend ein sehr beeindruckendes Konzert der Telnjuk-Schwestern, vor allem mit Vertonungen der Lyrik großer ukrainischer Dichter, wie z.B. Taras Schewtschenko oder Oksana Sabuschko.

Weitere interessante Auftritte waren z.B. der des Sängers von Mertwyj Piwen, Misko Barbara, der ein Solo-Programm aufführte sowie Mariana Sadovska, die zusammen mit drei anderen Sängerinnen (Folk-Ensamble „Kurbasy“) und 4 Kontrabassisten eine Interpretation von Texten des ukrainischen Schriftstellers und Lyrikers Serhij Zhadan aufführten.

Wir kehrten nach hause zurück mit Erinnerungen an sehr interessante Diskussionen, neue Bekanntschaften und Ideen für neue Projekte und freuen uns schon auf den nächsten Kongress, der in zwei Jahren stattfinden wird – wie so schön bei der Abschlussveranstaltung von einem der Moderatoren in Worte gefasst: „vielleicht in Moskau, wenn bis dahin dort die notwendigen Änderungen stattgefunden haben!“

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